Deutsch-Chinesisches Institut für Rechtswissenschaft
14. Junges Forum zum chinesischen Recht am 19.03.2026
„Eine Plattform für die nächste Generation“
Bericht von Keanu Demuth
Am 19. April 2026 veranstaltete das DCIR das „14. Junge Forum zum Chinesischen Recht,“ ein wiederkehrendes Event, das nichts von seiner Kontinuität und Relevanz verloren hat. Anders als im Vorjahr wurde das Forum als Hybridveranstaltung angeboten, wobei das DCIR zahlreiche Teilnehmende vor Ort begrüßen konnte. Sowohl für die Teilnehmenden vor Ort als auch für die Online-Gäste eröffnete das 14. Junge Forum die Möglichkeit, sich als Teil des juristischen Nachwuchses einzubringen und zugleich eine Brücke zwischen der chinesischen und der deutschen Rechtskultur zu schlagen. „Das 14. Junge Forum zum Chinesischen Recht ist eine Plattform für die nächste Generation“, betonte Institutsdirektor Prof. Dr. José Martínez in seiner Begrüßungsrede vor den Teilnehmenden.
Zu Beginn gab Prof. Dr. Knut Benjamin Pißler, China-Referent am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Recht in Hamburg, einen interessanten Einblick in die chinesische Rechtsterminologie, insbesondere unter Einsatz von DeepL. Prof. Dr. Pißler machte anhand von Übersetzungsübungen deutlich, dass der Übersetzer DeepL zwar ein wichtiges Hilfsmittel sei, aber terminologische Ungenauigkeiten aufweise. Zum Vergleich veranschaulichte er, wie juristische Begriffe durch ChatGPT übersetzt werden. Zudem machte Prof. Dr. Pißler auf hilfreiche Datenbanken wie Faxin (法信) aufmerksam, die vom obersten Volksgerichtshof betrieben werden und für Göttinger Studierende leicht zugänglich sind.
Anschließend gab es einen spannenden Vortrag des China-Experten Ralph Koppitz mit dem Titel „Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit und in China – Gesetze, Vorschriften und Praxis.” Koppitz arbeitet als Rechtsanwalt und Partner für die Rechtsberatung von RÖDL in Shanghai. Ralph Koppitz erklärte, dass es Herausforderungen gebe, wie dem zunehmenden Wettbewerb auf dem chinesischen Markt. Außerdem veranschaulichte er, wie China über die Jahre zum Know-how- und Technologiegeber avanciert ist – anhand beeindruckender Videoclips fortschrittlicher chinesischer Androiden. „Aufgrund der zahlreichen Innovationen aus China sind Rechtsschutz und Juristen besonders gefragt“, so Ralph Koppitz. Zudem gab Koppitz den Teilnehmenden wertvolle Hinweise für ihren ersten Chinaaufenthalt.
Danach präsentierte Rechtsanwältin Dr. Madeleine Martinek von der Kanzlei GÖRG, Berlin einen aufschlussreichen Überblick über die „Vertragsgestaltung im Chinageschäft unter besonderer Berücksichtigung der chinesischen Schiedsgerichtsbarkeit”. Dr. Martinek machte auf Aspekte aufmerksam, die zu beachten sind vor dem Vertragsschluss zwischen einem deutschen und chinesischen Unternehmen. Außerdem erläuterte sie die Vor- und Nachteile bei der Anwendung des UN-Kaufrechts und wies auf die Besonderheiten der chinesischen Schiedsgerichtsbarkeit hin.
Abschließend stellte Ranling Zhang, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DCIR, den Doppelmasterstudiengang “Chinesisches Recht und Rechtsvergleichung” der Universitäten Göttingen und Nanjing vor. Minte Nagel, die erfolgreich den Doppelmasterstudiengang absolviert hat, machte darauf aufbauend eine Berufsvorstellung nach dem Master mit dem Fokus „sinojuristisch forschen und promovieren.“ Minte Nagel arbeitet als wissenschaftliche Assistentin am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, Hamburg und gab den Teilnehmer:innen interessante Berufseinblicke und Perspektiven.
Das 14. Junge Forum zum Chinesischen Recht bot erneut Raum für einen lebendigen Austausch. Fachkundige Juristinnen und Juristen sowie China-Expertinnen standen bereit, um die Fragen der Teilnehmenden zu beantworten – und sie auf ihrem Weg als zukünftige Brückenbauerinnen und Brückenbauern zwischen China und Deutschland zu begleiten.
Konferenz & Nachwuchskolloquium des DCIR der Universitäten Göttingen und Nanjing am 25.-26.11.25
Am 25. und 26. November veranstaltete das Deutsch-Chinesische Institut für Rechtswissenschaft (DCIR), ein seit mittlerweile schon seit 36 Jahren bestehendes Gemeinschaftsprojekt der Universitäten Göttingen und Nanjing, unter dem Titel „Recht als Ordnungsfaktor in grenzüberschreitenden Kontexten“ eine zweitägige Konferenz an der Juristischen Fakultät. Hierzu versammelten sich am ersten Konferenztag zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Göttingen und Nanjing, um sowohl aktuelle als auch grundlegende Fragen zu diskutieren, die durch die ökonomische und politische Globalisierung hervorgerufen werden. Dabei konnte als gemeinsamer Ertrag festgehalten werden, dass nur ein rechtlicher Rahmen, der praktikable sowie wertebasierte Regelungen enthält und der auf diskursive Weise unter wechselseitiger Anerkennung unterschiedlicher Vorstellungen und Traditionen zustandekommt, den Akteuren bei transnationalen Sachverhalten hinreichende Orientierungssicherheit verschafft. Am zweiten Konferenztag stellten dann deutsche und chinesische Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen eines Nachwuchskolloquiums ihre Forschungsergebnisse zur Diskussion und trugen so zur weiteren Vertiefung des rechtswissenschaftlichen wie auch des interkulturellen Austausches zwischen Deutschland und China bei. Für das nächste Jahr ist eine Folgekonferenz in Nanjing in Aussicht genommen.
35 Jahre Deutsch-Chinesisches Institut für Rechtswissenschaft der Universitäten Göttingen und Nanjing – Jubiläumsveranstaltungen in Nanjing
Zur Feier des 35-jährigen Jubiläums des Deutsch-Chinesischen Instituts Rechtswissenschaft (DCIR) der Universitäten Göttingen und Nanjing reiste eine Delegation der Göttinger Juristischen Fakultät unter Leitung von Dekan Professor Andreas Paulus am 16. November einschließlich der Professoren Martin Ahrens, Olaf Deinert, Rüdiger Krause und José Martínez sowie Mitarbeiter*innen verschiedener Lehrstühle für mehrere Tage nach Nanjing, um die langjährige erfolgreiche Kooperation beider Universitäten und Juristischen Fakultäten gemeinsam mit der chinesischen Seite gebührend zu würdigen.
Den offiziellen Auftakt des Jubiläums bildete die Eröffnungsveranstaltung am 18. November unter Beteiligung hochrangiger Vertreter der Universität Nanjing nebst feierlicher Enthüllung des neuen Namensschildes des DCIR, das mitsamt seiner umfangreichen – durch zahlreiche aktuelle „Mitbringsel“ der Göttinger Delegation noch erweiterten – Bibliothek deutscher Rechtsliteratur zusammen mit der Juristischen Fakultät vor wenigen Monaten in vollständig renovierte, repräsentative Räumlichkeiten auf dem Zentralcampus umgezogen ist. An die Einführungsveranstaltung schloss sich am Nachmittag die Jahresversammlung der Chinesischen Alumni-Vereinigung der Universität Göttingen mit weit über 100 Teilnehmer*innen an, denen sich hierdurch die Gelegenheit bot, ihre schönen Erinnerungen an die teilweise schon Jahrzehnte zurückliegende Göttinger Zeit wieder aufleben zu lassen und alte Freund*innen wieder zu treffen.
Wissenschaftlicher Höhepunkt des Jubiläums war die Fachtagung zum Generalthema „Künstliche Intelligenz als Herausforderung für das Recht“ am 19. November, auf der zwölf deutsche und chinesische Professor*innen, darunter auch der Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht Professor Ralf Michaels, diese hochaktuelle und für die politische, ökonomische und soziale Zukunft beider Länder außerordentlich bedeutsame Materie aus verschiedenen fachlichen Perspektiven beleuchteten und engagiert diskutierten.
Der 20. November gehörte vorwiegend dem wissenschaftlichen Nachwuchs: Am Vormittag stellten sieben deutsche und chinesische Doktorand*innen ihre Forschungen zu den Herausforderungen, die durch die Digitalisierung für das Recht hervorgerufen werden, zur Diskussion. Am Nachmittag fand für die chinesischen und die derzeit in Nanjing befindlichen deutschen Masterstudierenden ein Rechtsvergleichungsseminar mit sieben Refereraten und sieben dazugehörigen Kommentaren statt. Mit einem anschaulichen und gedankenreichen Vortrag von Professor Ralf Michaels zum Thema „How Asian Should Asian Law Be? An Outsider’s View“ fanden die verschiedenen Jubiläumsveranstaltungen am Abend ihren würdigen Abschluss.
Um zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse, aber auch um vielfältige interkulturelle Eindrücke und anregende persönliche Begegnungen mit den chinesischen Partnern und Freunden bereichert, kehrte die Göttinger Delegation am 22. November wohlbehalten in die Heimat zurück. Für das nächste Jahr ist ein Gegenbesuch der Nanjinger Juristischen Fakultät in Aussicht genommen.
Sie können hier das Konferenz Programm finden.