In publica commoda

Presseinformation: Vom Labor in den Markt

Nr. 51 - 29.04.2026

Forschungsprojekt will rechtliche Hürden in der Kooperation zwischen Universitäten und Unternehmen abbauen

 

(pug) Hochschulen liefern kontinuierlich neue Erkenntnisse, Technologien und Ideen. Dennoch schaffen es viele Innovationen nicht vom Labor in die wirtschaftliche Anwendung. Komplexe Strukturen und Rechtsunsicherheiten verhindern oft, dass Forschung in der Praxis ankommt. Ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Braunschweig und der Universität Göttingen will genau hier ansetzen und die rechtlichen Hürden abbauen, die Kooperationen zwischen Universitäten, Start-ups und etablierten Unternehmen bislang erschweren. Die VolkswagenStiftung fördert das Projekt „Transfex – Transfer in Hochschul-Experimentierräumen“ drei Jahre lang mit insgesamt rund 550.000 Euro.

 

Neue OECD-Studien belegen: Innovationen tragen bis zu 60 Prozent zum BIP-Wachstum bei. Länder, in denen Universitäten und Wirtschaft eng zusammenarbeiten, verzeichnen zudem rund 30 Prozent mehr Gründungen und Exporte. Gleichzeitig verhindern gewachsene Verwaltungs- und Rechtsstrukturen eine engere Verzahnung beider Bereiche. Herausforderungen bestehen dabei vor allem bei Ausgründungen und Kooperationen. Gerade direkte Beteiligungen von Universitäten und ihren Forschenden an Ausgründungen gestalten sich in der Praxis als schwierig. Geförderte Großgeräte dürfen häufig für einen bestimmten Zeitraum ausschließlich für Forschungszwecke eingesetzt werden, so dass diese phasenweise nicht in Betrieb sind, da anderenfalls Rückzahlungsforderungen gegenüber Förderern und ein hoher Verwaltungsaufwand drohen. Darüber hinaus gibt es viele Fragen dazu, wie Beschäftigte von Start-ups und Universitätsangehörige in einem Projekt auf den gleichen Flächen zusammenarbeiten können. Das Projekt soll daher für mehr Rechtssicherheit, schlankere Strukturen und am Ende die wirtschaftliche Verwertung von wissenschaftlichen Innovationen sorgen.

 

„Mit unserem Experimentierraum schaffen wir klare Pfade durch den Paragrafendschungel, bauen Unsicherheit im Umgang mit dem Recht sowie rechtliche Hürden ab und tragen somit aktiv dazu bei, Gründungen und Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirtschaft gemeinsam voranzubringen“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Anne Paschke vom Institut für Rechtswissenschaften der TU Braunschweig. „Das Zusammenspiel von Universitäten und Land kann hier als Booster für die Gründungskultur und die Start-up Szene dienen.“ Für die Durchführung von Projekten mit mehreren beteiligten Hochschulen und Unternehmen bestehen für die verschiedenen Akteure ganz unterschiedliche Anforderungen. „Gerade die gemeinsame Flächennutzung oder ein gemeinsamer Personal- oder Mitteleinsatz sind häufig nicht erprobt und in der Praxis daher umständlich und zeitraubend. Dies schreckt viele Unternehmen von der Zusammenarbeit mit einer Hochschule ab, obwohl beide Seiten hiervon nur profitieren“, so Paschke.

 

Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es deshalb, verlässliche Pfade im Rechtsrahmen aufzuzeigen, ergänzt durch Musterverträge und praxisnahe Leitfäden sowie die Darstellung rechtlicher Verbesserungspotenziale. Durch die anstehende Novellierung des Hochschulgesetzes bietet sich auch die Möglichkeit, solche Lösungen unmittelbar gesetzlich zu verankern. „Mit den Experimentierräumen haben wir die Chance, gezielt Hemmnisse anzugehen, um den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Gesellschaft nachhaltig zu stärken“, sagt Prof. Dr. Kilian Bizer, Professur für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung an der Universität Göttingen. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse wollen die Forschenden bundesweit weiteren Hochschulen vorstellen.

 

Kontakt:

Prof. Dr. Kilian Bizer

Georg-August-Universität Göttingen

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Professur für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung

Telefon: (0551) 39-24602

E-Mail: bizer@wiwi.uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/64736.html