Vegetationsdynamik nach Waldbränden
Steigende globale Temperaturen und längere Dürreperioden führen zu häufigeren und intensiveren Waldbränden in Europa. Daher wird es immer wichtiger zu verstehen, wie Vegetation sich nach Bränden regeneriert, um nachhaltiges Landschaftsmanagement zu unterstützen.
Unser Projekt wird untersuchen, ob invasive Arten, die von Feuer profitieren, in einer kürzlich verbrannten Strauchlandschaft häufiger vorkommen als in unverbrannten Gebieten auf der Quinta da Mizarela in der Serra do Açor in Portugal, einem Gebiet, das 2025 von schweren Waldbränden betroffen wurde. Im Frühjahr 2026 werden wir die Vegetation mithilfe nicht-invasiven Feldmethoden messen, indem wir Arten als einheimisch oder invasiv klassifizieren und sie entsprechend ihrer Feuertoleranz einordnen. Zusätzlich sammeln wir mit Hilfe eines Laserscanners Daten, um grundlegende Parameter über die Vegetationsstruktur zu bestimmen.
Mit diesem Projekt möchten wir Daten zur Vegetation nach Waldbränden beitragen.
Waldbrandgebiet
Waldbrandgebiet
Team working with the laser scanning - Mathilda Scholler
Group Picture - Tomasz Iwanowski
Preparing the transect - Daichi Kayahara
Recording the data - Mathilda Scholler
Mathilda Scholler, Tomasz Iwanowski, Daichi Kayahara
Dezember 2025 haben wir unser Projekt mit der Absicht gestartet, Muster in der Erholung
der Vegetation in der Serra do Acor Region Portugals zu untersuchen, nachdem das Gebiet im August desselben Jahres von Waldbränden betroffen war. Unser Ziel war es Daten über die Regeneration der verbrannten Fläche beizusteuern und Erfahrungen im wissenschaftlichen Arbeiten vor Ort zu sammeln.
Unser Plan war es Daten über das Vorkommen von Holzpflanzen, sowohl in einem verbrannten als auch unverbrannten Standort, zu sammeln und diese anschließend, in Bezug auf Anteil invasiver Arten und Prävalenz pyrophitischer Arten, zu vergleichen.
Um diese Daten zu sammeln, haben wir uns für zehn Meter lange Transektlinien entschieden.
Entlang dieser Linien haben wir Informationen zu allen Holzpflanzen, die sich innerhalb von
50cm auf beiden Seiten befanden, aufgenommen. Diese Methode, im Vergleich zu z.B kreisförmigen Stichproben, hat es uns erlaubt, die Gradienten verschiedener Umweltfaktoren an unseren Standorten zu erfassen, ohne dafür Kompromisse bezüglich der Stichprobenmenge eingehen zu müssen. Zusätzlich hatten wir einen Faro M70 terrestrischen Laserscanner zur Verfügung und konnten unserer Studie eine zweite Dimension hinzufügen, indem wir strukturelle Unterschiede der beiden Standorte (prä- und post-Waldbrand) aufgenommen haben. Um einen bestmöglichen Vergleich individueller Stichproben zu ermöglichen, haben wir den Mittelpunkt der Transektlinien als Standpunkt für den Laserscanner verwendet.
In Bezug auf den botanischen Aspekt unserer Studie war unsere Hypothese, dass das
verbrannte Gebiet einen höheren Anteil invasiver Arten aufweist. Beim Laserscanner gingen wir davon aus, dass die Waldstruktur in der nicht
verbrannten Fläche komplexer ist.
Wie bereits erwähnt, bestand eines der Hauptziele dieses Projekts darin, jedem von uns die
Möglichkeit zu geben, praktische Erfahrungen in der wissenschaftlichen Arbeit zu sammeln.
Da dieses Projekt von uns, als Bachelor-Studenten, selbst organisiert war, wurden wir gezwungen uns in jedem organisatorischen Aspekt einzubringen, sowohl in der Planung einer Studie als auch bei allen auftretenden Schwierigkeiten vor Ort. Dadurch hat dieses Projekt erheblich zu unserer Ausbildung als Ecosystem Sciences- (Ökosystemwissenschafts-) Studenten beigetragen. Die Möglichkeit, bereits in dieser Phase unseres Studiums, potentiell wertvolle Daten beitragen zu können, hat uns auf zukünftige wissenschaftliche Arbeiten vorbereitet.
Die wissenschaftliche Arbeit im Team hat uns alle gezwungen, uns aktiv mit unseren
Studieninhalten auseinanderzusetzen. Dies war ein wesentlicher Bestandteil unseres Projekts, da diesbezüglich viele von uns zuvor noch keine Erfahrungen sammeln konnten. Der Austausch mit anderen Mitgliedern unserer Fakultät und sogar darüber hinaus, hat sich dabei als äußerst hilfreich erwiesen. Ein großes Dankeschön geht hiermit an Dominik Seidel, Sarah Weil, Birgitta Putzenlechner und Jonas Fierke für ihre unersetzliche Hilfe in verschiedenen Phasen dieses Projekts.
Die Feldforschung fand in Quinta da Mizarela, Portugal statt. Unsere Kontakte vor Ort haben es uns ermöglicht, kostenlos, bzw. im Austausch für vier Stunden Freiwilligenarbeit pro Tag, unterzukommen. Durch diese Vereinbarung war unsere Förderung ausreichend für unser nötiges Equipment und anfallende Reisekosten nach Portugal für alle Beteiligten. Bei Ankunft vor Ort mussten wir leider feststellen, dass unsere Kontrollfläche, die wir unversehrt erwartet hatten, ebenfalls von Feuer betroffen war, wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß als der abgebrannte Standort. Aufgrund unserer begrenzten Zeit, beschlossen wir dennoch, bei unseren ursprünglichen Plänen zu bleiben. Da in Standort B ein großer Teil der prä-Feuer Strukturen erhalten blieben, darunter z.B. ausgewachsene Pinus- und Eucalyptus-Bäume, dient die Fläche als Vergleichsbasis für die Regeneration nach einem Brand mit gerniger Intensität. Die Diskussion darüber, wie wir mit diesem unerwarteten Rückschritt umgehen sollten, war eine der wertvollsten Erfahrungen dieses Projekts. Kein Detail verlief genau so, wie wir es uns ursprünglich vorgestellt hatten, was uns zwang zu improvisieren, effektiv zu kommunizieren und fast täglich auftretende Probleme zu lösen.
Die botanischen Daten der 60 Transektlinien zeigen eine signifikante Veränderung der Gemeinschaftsstruktur, der Artenhäufigkeit und der taxonomischen Vielfalt zwischen den beiden Brandflächen. Standort A (stark verbrannt) wies mit 1689 einzelnen Pflanzen und 23 verschiedenen Arten eine hohe Gesamtabundanz, aber eine begrenzte Artenvielfalt auf. Im Gegensatz dazu wies Standort B (leicht verbrannt) mit 1048 einzelnen Pflanzen eine geringere Gesamtabundanz auf, beinhaltete dafür allerdings eine deutlich größere Artenvielfalt von 40 verschiedenen Arten.
Im stark verbrannten Gebiet A verläuft die Erholung nach dem Brand sowohl strukturell als auch botanisch vereinfacht. Die Dominanz brennbarer, pyrophytischer Samenpflanzen (Cytisus sp. Und Ulex sp.) führt zu einer dichten, aber homogenen Pionierheide. Diese Gemeinschaft ist definiert durch eine hohe Kronenöffnung (Mittelwert: 86.29) eine niedrige mittlere fraktale Dimension (MeanFD, Mittelwert: 2.55) und eine stark komprimierte effektive Anzahl an Schichten (ENL, Mittelwert: 20.73), was zu einem niedrigen Index der Bestandsstrukturkomplexität (SSCI, Mittelwert: 3.71). Die strukturelle Homogenität deutet darauf hin, dass diese pyrophytischen Arten zwar hochgradig an eine schnelle Besiedlung einer Fläche nach einem Brand angepasst sind, jedoch dann ein einfaches, leicht entflammbares Brennstoffbett bilden, was einen Teufelskreis aus regelmäßigen, hochintensiven Bränden in der Region fördern könnte.
Umgekehrt blieb die strukturelle Komplexität der weniger stark verbrannten Fläche B erhalten. Das Überleben ausgewachsener Pinus- und Eukalyptus-Bäume, gepaart mit der kräftigen Erholung des Unterholzgewächses Rubus sp., sorgt für eine komplexere, mehrschichtige Waldstruktur. Dies wird quantitativ durch eine geringe Kronenöffnung (Mittelwert: 46.74), einen hohen mittleren FD-Wert (Mittwelwert: 4.31) und einen hohen ENL-Wert (Mittwelwert:25.52) bestätigt, was zu einem deutlich höheren SSCI-Wert führt (Mittelwert: 5.55 im Vergleich zu 3.71 an Standort A). Verglichen mit dem stark verbrannten Gebiet, deutet der Anstieg der strukturellen Komplexität um 49% im leicht verbrannten Standort auf ein wesentlich heterogeneres und vielschichtigeres Kronendach hin. Diese Ergebnisse stützen unsere Hypothese, dass invasive Arten mit pyrophytischen Merkmalen deutlich vermehrt in den von schweren Bränden betroffenen Gebieten vorkommen und dass die strukturelle Komplexität in weniger betroffenen Gebieten höher ist.
Die schnelle und dichte Regeneration hochentflammbarer, pyrophytischer Arten (Cytisus sp., Ulex sp.) und invasiver Kolonisatoren (Acacia sp.) in stark verbrannten Gebieten, zeigt die Notwendigkeit einer aktiven Bewirtschaftung nach Feuer. Die aktuellen Daten präsentieren eine Landschaft, die an einem kritischen Punkt in ihrer Erholung steht. Standort A wird derzeit von „obligaten Säern“ (Cytisus, Ulex) dominiert, die den kahlen Boden schnell besiedelt haben. Wenn diese Arten vor dem nächsten Brandereignis ihre Reife erreichenund eine große Samenbank aufbauen, könnte der Standort in einen hochfrequenten Brandzyklus geraten. Dies würde die Wiederansiedlung feuerrestistenter Klimaxarten, wie Quercus sp. (Eiche), die bereits jetzt weniger als 0.3% der erfassten Individuen im Brandgebiet ausmachen, effektiv verhindern.
Alle Projektteilnehmenden:Studierenden-Projekte
2026Vegetationsdynamik nach Waldbränden
Quinta da Mizarela, Serra do Açor, Portugal
Impressionen
Highlights
Ergebnisse & Reflexion
Hintergrund und Herangehensweise
Rolle des Studenten-Projekts
Wissenschaftlicher Austausch und Integration
Organisation, Rahmenbedingungen und Ausblick
Ergebnis
Appendix



Kontakt
1. Tomasz Iwanowski
2. Clara Stofella
3. Anneke Paulsen
4. Lena Schlebusch
5. Charlie Hintz
6. Carina Pfeiffer
7. Ben Jaekel
8. Yuehan Li
9. Andrea Sohlenkamp Zamora
10. Mathilda Scholler
11. Annalise Mancinelli
12. Daichi Kayahara